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In dieser Übersicht finden Sie alle Gemeinden / Ortschaften die zur Pfarrei Heiliger Franziskus in Blieskastel gehören.

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Dienstag, 20. Juli 2021

Ferienzeit ist Pilgerzeit

„STERNENWEG – CHEMIN DES Étoiles“,

ist ein europäisches Modellprojekt entlang der Wege der Jakobspilger in Teilen des Saarlandes, von Rheinland-Pfalz sowie von Lothringen und dem Elsass. Die europäische Zukunftsvision durchdringt dieses Projekt: Pilgern entlang der Sterne Europas, die da sind: Toleranz, Humanität, Freiheit, Demokratie, freundschaftliche Begegnung der Kulturen und Frieden.

Die Jakobswege, das sind im Bewusstsein der Öffentlichkeit zunächst wohl die klassischen großen Pilgerrouten, die Europa mit dem Ziel Santiago de Compostela durchziehen, zuerst wahrscheinlich der Camino Frances, der in Nordspanien die letzten 800 Kilometer bestreitet. Aber von alters her war jeder Weg ein Jakobsweg, der begangen wurde, um zum Grab des Heiligen Jakobus zu pilgern. Und so bildeten sich auch in den Regionen klassische Routen heraus, auch wenn diese oftmals dem Vergessen anheimfielen, aus dem sie nun, in der Zeit der Europäischen Einigung, der Zeit des „Weltkulturerbe Jakobswege“ und der Zeit eines neu erwachenden spirituellen und/oder historischen Interesses an der Pilgerschaft geweckt werden: beispielsweise auch an Saar, Blies und Mosel.

Der Jakobsweg – ein Wegesystem

Der Jakobsweg oder Jakobusweg ist ein ganzes Wege-System. Es ist also richtig, von den Jakobswegen in der Mehrzahl zu sprechen. So wie die Verästelungen von Bachläufen und Flüsschen ein ganzes Flusssystem bilden und mit der Zeit zu einem großen Fluss werden, durchqueren verschiedenste Wege ganz Europa und vereinen sich zu Hauptwegen. In Spanien münden die Jakobswege in den Camino Francés. Er führt von St.Jean-Pied-de-Port über die Pyrenäen nach Roncesvalles. Von dort führt der Weg bis nach Santiago de Compostela in Nordwestspanien und noch weiter bis ans Cap Finisterre am Atlantik.

Der Begriff Jakobusweg bezieht sich auf den Apostel Jakobus den Älteren. Er war zusammen mit seinem Bruder Johannes einer der zwölf Apostel Jesu. Nach der Legende war er in Spanien als Missionar unterwegs. Herodes ließ ihn in Jerusalem enthaupten. Nach seinem gewaltsamen Tod in Jerusalem wurden seine Gebeine gemäß einer Legende über das Mittelmeer nach Galicien gebracht. In Santiago de Compostela verehrt MAN sein Grab. Die Wege, die nach Santiago führen, erhielten den Namen Jakobsweg. Es entwickelten sich auch andere Namen wie Sternenweg und Milchstraße.

Zum Leben von Jakobus dem Älteren

Der Jakobus des Jakobsweges trägt die Namen: Jakobus der Große, Jakobus der Ältere, lateinisch Jacobus maior.
Jakobus ist der Sohn von Zebedäus (Mk 1, 20) und Maria Salome. Sein Bruder ist der Apostel Johannes. Jakobus arbeitete bei seinem Vater als Fischer am See Genezareth (Mk. 1, 19. Er wurde zusammen mit Johannes nach dem Brüderpaar Petrus und Andreas von Jesus zum Jünger berufen, ließ seinen Vater und dessen Tagelöhner hinter sich und folgte Jesus nach.
Als Ersterwählte werden diese vier Apostel, manchmal nur drei davon, bei den meisten wichtigen Ereignissen in Jesu Leben involviert sein. Die vier Apostel resp. Jünger bilden so etwas wie einen inneren Kreis. Jesus nannte die beiden Söhne von Maria Salome, den Jakobus und Johannes ‚Donnersöhne‘ (Mk. 3, 17), was wohl eine charakterliche Beschreibung ist. Dieser Charakterzug des Donnersohnes Jakobus kommt in Lk. 9, 52-56 zum Vorschein, wo er über die Leute, die die Jünger nicht aufnehmen wollten, Feuer und Vernichtung herab rufen möchte. Jakobus und Johannes richten an Jesus die von großem Selbstbewusstsein zeugende Bitte: „Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen.“ Die anderen zehn Apostel ärgern sich über die beiden (Mk. 10, 37, 41). Im Matthäusevangelium (Mt. 20, 20) ist es ihre Mutter Maria Salome, die mit der gleichen Bitte zu Jesus kommt.
Zum Tod des Apostels Jakobus findet sich ein Hinweis in Apg. 12, 2. Demnach ließ ihn König Herodes während des Passafestes mit einem Schwert enthaupten. Gleichzeitig wurde Petrus ins Gefängnis geworfen. Weitere Angaben zum Leben des Apostels Jakobus des Älteren gibt es in den heiligen Schriften nicht. Mit der Art des Todes von Jakobus hat sich erfüllt, was dieser in Mt. 20, 22 gegenüber Jesus äußerte – nämlich, er könne den Kelch austrinken, d.h. an Jesu Schicksal teilhaben. Beim König, der Jakobus enthaupten ließ  handelt es sich um Herodes Agrippa I., der von 41-44 König über ganz Palästina war. Daraus kann abgeleitet werden, dass Jakobus spätestens im Jahr 44 getötet wurde. Daraus wiederum kann geschlossen werden, dass es wohl kaum möglich ist, dass der hl. Jakobus, so wie es Legenden berichten, in Spanien längere Zeit als Missionar unterwegs gewesen ist. Eine kurze Zeit allerdings ist vorstellbar.

Jakobus erlebt bald nach seinem Aufbruch mit Jesus eine erste Heilung mit. Es heißt in Mk 1, 29: Sie „gingen zusammen mit Jakobus und Johannes gleich in das Haus des Simon und Andreas.“ Die Schwiegermutter des Petrus wird in ihrem Haus vom Fieber geheilt, anschließend noch viele andere Menschen (Mk. 1, 30ff). Bei der Heilung der Tochter des Synagogenvorstehers Jaïrus durften nur Simon Petrus, Jakobus und Johannes mit dabei sein (Mk. 5, 37). Die gleichen drei Jünger nahm Jesus auch mit auf den Berg, wo er verklärt wurde (Mk. 9, 2ff).
Als Jesus auf dem Ölberg die Zerstörung des Tempels ankündigt, sind wiederum nur Jakobus, Petrus, Johannes und Andreas dabei (Mk. 13, 3). Mit diesen drei Jüngern sieht Jesus im Garten Gethsemane dem nahenden Tod entgegen (Mk. 14, 33). Er fordert sie auf, zu wachen und zu beten. Dreimal schlafen sie ein. Diese Szene wird in vielen Kirchen bildlich dargestellt.
Beim Leiden und Sterben von Jesus sind bekanntlich verschiedene Frauen in der Nähe geblieben, aber keine männlichen Jünger (außer Johannes). Bei den Frauen war auch die Mutter von Jakobus, Maria Salome zusammen mit Maria Magdalena. (Mt. 27, 56 ; Mk. 15, 40) Sie hilft auch mit, wohlriechende Salben zu kaufen, um den Leichnam Jesu einzubalsamieren (Mk. 16, 1-4). Sie wird deshalb gerne zusammen mit einem Ölgefäß abgebildet. Nach der Auferstehung erscheint Jesus einigen Jüngern am See von Tiberias, darunter auch den Zebedäussöhnen (Jo 21, 2). In der Zeit zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten ist Jakobus zusammen mit den anderen Jüngern und vielen Frauen zum Gebet versammelt (Apg. 1, 13). Nachher finden wir nur noch den Hinweis darüber, wie Jakobus getötet wurde (Apg. 12, 2).
Das Fest des heiligen Jakobus wird jährlich am 25. Juli begangen. Fällt der 25.Juli auf einen Sonntag, findet in Santiago ein heiliges Jahr statt.

Jakobswege im Saarland

Schon seit dem Mittelalter machen sich Pilger aus aller Welt auf den Weg zum Grab des Apostels Jakobus im spanischen Santiago de Compostela. Und so entstehen in ganz Europa verschiedene Wegstrecken. Dabei wollten die Pilger vor allem eines: schnell an ihr Ziel kommen. Deswegen wählten sie vor allem Strecken, die möglichst einfach und geradlinig übers Land führten. Doch darüber hinaus bieten die Jakobswege auch besondere landschaftliche Reize – eben wie hier im Bliesgau.
Seit 1993 gehören die Jakobswege zum geistigen Weltkulturerbe der UNESCO. Bis heute haben die Wege der Jakobspilger ihre Anziehungskraft nicht verloren und erleben in den letzten Jahren geradezu einen Boom unter Pilgern und Wanderfreunden: Ob als Tageswanderung oder als mehrtägige Tour – die Jakobswege im Saarland werden bei Wanderern und Naturfreunden immer beliebter. Sie führen auf einer Nord- und einer Südroute durchs Saarland und das Biosphärenreservat Bliesgau.

Die Südroute des Jakobswegs führt vom pfälzischen Speyer über Hornbach, Medelsheim und Kleinblittersdorf im Saarland bis ins französische Lothringen, wo die Orte Sarreguemines und Hérapel passiert werden, bis nach Metz. Die Nordroute beginnt ebenfalls in Speyer bzw. Hornbach, nimmt dann aber die Strecke über Blieskastel und Saarbrücken, über Hérapel und St. Avold nach Metz. Markiert ist der Jakobsweg durch das bekannte Symbol der Jakobsmuschel.
* Aus dem Flyer „Sternenweg – Chemin des étoiles“ des Stadtverbandes Saarbrücken

Jakobsmuschelsteine, Ornamente aus Feldsteinen, Sterne

Bei genauerem Hinsehen kann man im Wegeverlauf der Routen des Sternenwegs an bestimmten Stellen Wegezeichen entdecken: Jakobsmuschelsteine und im Saarpfalz-Kreis und der Region Saarbrücken auch Ornamente aus Feldsteinen sowie Sterne. Durch sie unterscheiden sich die Pilgerwege von anderen Wegen, geben ihnen ihren ganz besonderen Charakter. Die Wegezeichen werden mit der Zeit Patina ansetzen, vielleicht sogar untergehen. Sie bleiben aber so lange sichtbar, wie die Menschen sie wertschätzen, erhalten und pflegen.

Diese Wegezeichen sind dem europäischen Netzwerkgedanken verpflichtet: Einerseits werden durch das Projekt alte Kulturlandschaften grenzüberschreitend kulturell und touristisch vernetzt, andererseits legen die Wegezeichen eine „Sternenspur“ der mittelalterlichen Jakobspilger und der Baukultur aus jener Zeit frei. Darüber hinaus erinnern sie an die besonderen Facetten der vorbeiziehenden europäischen Kulturlandschaften und auf die mehr als 1000-jährige Kultur des Unterwegsseins auf den Wegen der Jakobspilger

Auch die Pfarrkirche St. Anna in Biesingen ist Station auf diesem nördlichen Sternenweg. Dort kann sich der „Sternenpilger“ den entsprechenden Stempel abholen.

In verschiedenen Kirchen, so auch in Biesingen und Blickweiler liegen Flyer „Sternenweg – Chemin des étoiles“ des Stadtverbandes Saarbrücken  aus. Dort wird auch auf den entsprechenden Bildband von Peter Michael Lupp verwiesen.

Klaus Bohr

Der Beitrag ist der aktuellen Ausgabe (#2/2021) des TAU-Briefes entnommen.

 

 

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