Donnerstag, 15. Oktober 2026
Allerheiligen und Allerseelen: Das Unsichtbare im Sichtbaren sehen
Manches, was das Herz im Glauben ahnt, lässt sich nicht einfach in Wissen verwandeln. Es wird getragen von Vertrauen und Liebe. Papst Johannes Paul II. beschreibt unser Leben als Pilgerschaft durch das Vergängliche hin zum Angesicht des lebendigen Gottes: „Wir erleben dies – zusammen mit der ganzen Kirche – auf besondere Weise heute und morgen. Heute und morgen verweilen wir an den Gräbern unserer Lieben mit der Frage: Wart ihr eine Generation auf der Suche nach dem lebendigen Gott? Gehörtet ihr zu denen, die das Antlitz des Gottes Jakobs suchen? Der Mensch vollzieht die Pilgerschaft durch diese Erde, durch die Vergänglichkeit, die vergeht, hin zum Antlitz des lebendigen Gottes: um ihn zu sehen, ‚wie er ist. Ihn von Angesicht zu Angesicht zu sehen‘ (vgl. 1 Joh 3,2). Der Mensch, der dem Gesetz des Todes unterworfen ist. Und zugleich: der Mensch – ein Pilger des Absoluten!“
Das ist ein tröstlicher Gedanke für Allerheiligen und Allerseelen: Wir sind auf der Erde unterwegs, aber unsere tiefste Heimat ist bei Gott. An Allerheiligen blicken wir auf die Gemeinschaft der Heiligen und auf das Ziel unseres Weges. An Allerseelen gedenken wir liebevoll unserer Verstorbenen und vertrauen sie Gottes Barmherzigkeit an. Die Gemeinschaft in Christus wird durch den Tod nicht ausgelöscht.
Das Unsichtbare im Gegenüber sehen heißt, mehr wahrzunehmen als das Äußere: die Würde jedes Menschen, seine Gotteskindschaft und die Sehnsucht seines Herzens nach bleibender Geborgenheit in Gottes Liebe. Der Glaube nimmt das Sichtbare ernst und schaut zugleich darüber hinaus. Er lässt uns in der Liebe und im Leben Zeichen der Hoffnung auf Gottes Gegenwart und das ewige Leben erkennen.

